Systeme zur Führung, Hebung und Wasserversorgung sind seit der Antike bekannt. Kommen zum praktischen Nutzen noch eine starke ästhetische Komponente und die Überwachung durch einen Kunstmeister hinzu, spricht man von Wasserkunst. Dabei ist zu beachten, dass die Bezeichnung "Kunstmeister" bis in das 19. Jahrhundert für Männer vergeben wurde, die Tätigkeiten heutiger Ingenieure ausführten. Die Wasserkunst gehört somit zum Bereich Mühlentechnik.

Anwendung im Mittelalter und Bergbau

Schon immer spielte die Beherrschung des Wassers eine große Rolle für die Menschen und das Zusammenleben. Bereits die Römer verwendeten Windräder und mindestens seit dem Spätmittelalter spielte die Wasserkunst eine wichtige Rolle für die Versorgung der Städte und Burgen, aber auch in Bergwerken. Dort nennt man die technischen Einrichtungen zur Entfernung des Grubenwassers aus den Grubengebäuden auch Wasserhaltung. Waren die ersten Wasserkünste noch aus Holz, so wurde später Stein verwendet. Die Grundbestandteile einer Wasserkunst waren Pumpwerk und Wasserbehälter, in der Folge gehörten alle Anlagen eines Röhrensystems dazu. Im Mittelalter gewährleisteten Röhren, die zumeist ausgehöhlte Baumstämme waren, die Wasserversorgung höher gelegener Wohnhäuser. Eine solche alte Wasserkunst aus dem Jahre 1495 kann heute noch in Bautzen besichtigt werden. Wer sich für bergbauliche Anlagen interessiert, findet im Harz zahlreiche alte Wasserkünste, beispielsweise das Polsterberger Hubhaus oder die Wasserkunst im Rammelsberg.

Künstlerisch gestaltete Anlagen, die das Auge erfreuen

Seit dem Zeitalter der Renaissance und des Barock verstand man unter Wasserkunst auch Anlagen mit Springbrunnen, Wasserspeiern und Kaskaden. Das Element Wasser wurde inszeniert, um Reichtum und später auch nationale und militärische Souveränität darzustellen. Der Brunnen wurde zum Symbol für Wohlstand. Teilweise reichte für diese Inszenierungen der natürliche Druck der Schwerkraft aus, teilweise erzeugten Pumpen Wasserdruck, um die Fontänen zu betreiben. Die Wasserkunst in Schloss- und Gartengestaltungen bezeichnet man heute oft als Wasserspiele. Typische Vertreter dieser Gattung findet man unter anderem im Großen Garten in Hannover-Herrenhausen, im Dresdner Zwinger oder auch im Bergpark Wilhelmshöhe. Mit dem Übergang von Frühindustrialismus und Ständegesellschaft zur industriell-bürgerlichen Stadt der Vormoderne - ab dem Ende des 19. Jahrhunderts - wurden Brunnen Schmuckelemente im öffentlichen Raum, die nützlich und dekorativ waren.

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