Die Menschheit braucht immer mehr Energie, traurige Gewissheit ist es mittlerweile allerdings, dass die Bestände der bisher genutzten fossilen Energien sich dem Ende neigen. Daher muss man nach neuen Möglichkeiten suchen, um Energie zu gewinnen. Wenn man dabei nicht auf Atomkraft setzen will, gibt es bereits seit einiger Zeit ein alternatives Verfahren: „Hydraulic Fracturing“, kurz „Fracking“ genannt. Umweltverbände und Verbraucherschützer warnen jedoch schon seit Jahren vor den Folgen dieser Methode – besonders für unser Trinkwasser. Zu Recht? 

Was passiert beim sogenannten Fracking?

Beim Fracking geht es darum, Energievorräte zu erreichen, die tief im Inneren des Gesteins sitzen. Dabei handelt es sich um Erdöl und Erdgas, das aus dem Stein durch „herauspressen“ gewonnen werden soll. Das ist möglich, da beispielsweise das Gas nicht in Blasen im Erdinneren schlummert, sondern in Poren gelagert wird, die sich im Gestein befinden. Durch den hohen Druck, der beim Fracking entsteht, sollen diese Poren förmlich aufgeweicht und so miteinander verbunden werden, so dass das Erdgas und -öl zum Bohrloch fließen und damit gewonnen werden kann.

Dazu wird zunächst ein Loch in die Erde gebohrt. In dieses Loch wird dann unter Hochdruck ein Gemisch aus Wasser (ca. 94,5 %), Sand (ca. 5 %) und Chemikalien (0,5 %) gepresst, mit dem Ziel, die in dem Gestein enthaltenen Energievorkommen zu gewinnen. Umweltverbände beurteilen besonders die chemischen Zusätze als problematisch, aber auch der hohe Wasserverbrauch könnte eine Gefahr für unser Trinkwasser darstellen.

So funktioniert Fracking

Fracking – eine Gefahr für unser Trinkwasser?

Die Fördermethode des Fracking ist umstritten. Die großen Energiekonzerne halten Fracking für eine gut kontrollierbare Methode, um Erdgasvorkommen zu erreichen, die von uns Menschen ansonsten nicht erschlossen werden könnten. Umweltverbände und Verbraucherschützer sehen das Fracking dagegen sehr kritisch.

Der BUND beispielsweise sieht die Gefahr, dass das Grundwasser durch Grubenwässer verunreinigt werden könnte. Unter Umständen könnten beim Fracking nämlich genau diese Grubenwässer freigesetzt werden und ins Trinkwasser gelangen. Aber nicht nur das: Diese Grubenwässer könnten, da beim Fracking sehr tiefe Gesteinsschichten angepeilt werden, außerdem mit radioaktivem Material oder Schwermetallen verunreinigt sein. Der BUND steht nicht allein mit dieser Befürchtung. Auch die Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR), sieht durch das Fracking unser Trinkwasser gefährdet: „Viele dieser eingesetzten Stoffe sind Wasser gefährdend – die Eingriffe in die Grundwasserwelt durch den Einsatz von hohem Druck unkalkulierbar.“

In diesen Szenarien geht man von dem besten Fall aus, dass nämlich das Wasser, das zum Fracking benutzt wird, aufgefangen und wieder an die Oberfläche transportiert wird. Was aber, wenn das Fracking-Wasser unterirdisch austritt? In diesem Fall ist es sehr wahrscheinlich, dass das Grundwasser mit den verwendeten Chemikalien verunreinigt wird. Für dieses Szenario gibt es außerdem keinen Notfallplan, wie Schlimmeres für unser Trinkwasser verhindert werden könnte. Denn gerade in Deutschland gibt es – im Unterschied zu den USA – eine Besonderheit: Die Gas- und Ölvorkommen, die mit dem Fracking erschlossen werden sollen, liegen sehr nah an den Grundwasserschichten. Dies erhöht noch einmal die Gefahr, die ein Unfall bei der Methode für unser Trinkwasser haben könnte.

Eine Studie, die im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes durchgeführt wurde, kommt ebenfalls zu beunruhigenden Ergebnissen für unser Trinkwasser: Die Auswirkungen der eingesetzten Chemikalien auf die Umwelt und insbesondere auf das Grundwasser seien nicht abzusehen.Das liege zum großen Teil auch daran, dass die Unternehmen, die die Bohrungen durchführen, nicht offen mit den verwendeten Materialien und Chemikalien umgehen. So könne nicht ausgeschlossen werden, dass bei der Fördermethode auch potentiell krebserregende Stoffe zum Einsatz kommen.

Ein weiteres Problem ist der immense Wasserverbrauch dieser Fördermethode, der damit mittelbar auch einen Einfluss auf unser Trinkwasser haben könnte. Bei dem aktuellen Vorreiter dieser Methode, den USA, stammt ein Großteil des Wassers, das für die Förderung benutzt wird aus Grundwasservorkommen und aus diesen Vorkommen stammt letztlich unser Trinkwasser. Die großen Konzerne haben bis heute keine Möglichkeit vorgelegt, wie der riesige Verbrauch des Grundwassers eingeschränkt werden könnte, noch wie man das bei der Förderung verwendete Grundwasser recyceln könnte.

Die großen Energieunternehmen sehen dagegen keine Gefahr für unser Trinkwasser durch das Fracking: Besonders bei Förderungen in der Nähe von Grundwasser gehe man sehr vorsichtig vor, denn der Schutz des Trinkwassers habe oberste Priorität. „Bei der Bohrung durch trinkwasserführende Schichten werden mehrere Ummantelungen aus Zement und Stahl genutzt, um eine undurchdringliche Barriere zwischen Bohrloch und Trinkwasserhorizont zu schaffen“, so ExxonMobil.

Fracking als Fördermethode gibt es schon länger

Was Viele nicht wissen: Fracking wird schon lange in Deutschland durchgeführt, bereits in den 1960er Jahren gab es erste Förderungen auf diese Art. Jedoch handelte es sich hier um Fracking bei sogenannten konventionellen Lagerstätten. Der Unterschied liegt in der Durchlässigkeit des Gesteins. Konventionelle Lagerstätten sind solche, die eine relativ hohe Durchlässigkeit haben. Somit kann das Fracking hier auch einfach erfolgen. Meist wird diese Art benutzt, um die Dauer der Erdgasföderung etwas zu verlängern und damit den Ertrag zu verbessern.

In der aktuellen Debatte geht es um die unkonventionelle Förderung. Bei dieser Art des Fracking werden die bereits angesprochenen Zusatzstoffe zusammen mit dem Wasser in das Gestein gepresst, um so an Erdgas zu kommen, das in undurchlässigem Gestein gefangen ist. In den meisten Fällen handelt es sich um sogenanntes Muttergestein, das so heißt, da dort das Erdgas bzw. Erdöl entstanden ist. In den letzten Jahren ist diese Art des Fracking durch die Weiterentwicklung der Technologie immer günstiger geworden, so dass es sich nun wirtschaftlich sehr lohnt, auch unkonventionelle Erdgasförderung zu betreiben. Vorreiter für diese Art des Fracking sind die USA. An ihrem Beispiel kann man hochrechnen, welche Auswirkungen die Technologie auf unser Trinkwasser hätte.

Feuer aus dem Wasserhahn – Mythos oder Wahrheit?

Auch die Umweltverbände in den USA stehen dem Fracking sehr kritisch gegenüber. In den letzten Jahren haben sich bereits die ersten Auswirkungen dieser Fördermethode auf die Umwelt gezeigt: Mittlerweile gibt es schon eine stattliche Anzahl von Berichten, in denen von verschmutzen Grundwasser berichtet wird. Aber schlimmer noch: Selbst von brennen Wasserhähnen wurde bereits berichtet. Wie das passieren kann? Durch die Methode gelangte das Gas direkt in den Wasserhahn und strömte so hinaus. Dies war kein kurioser Einzelfall, sondern fast schon alltäglich in mehreren Gemeinden an der Ostküste der USA. Durch das Fracking wurden nahezu alle Brunnen unbrauchbar und das Trinkwasser ungenießbar.

Eine Entwicklung, die uns in Deutschland zu denken geben sollte!

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