31. Januar 2018 2 min. Lesezeit Wissen

Wunderwasser oder Hirngespinst?

Levitiertes Wasser - das H2O, welches laut Herstellern und Vermarktern verschiedentlich behandelt und auf diese Weise für etliche Einsatzzwecke verbessert wird, hat viele Namen. Während sich in Bezug auf die vermeintlich fühlbare Wirksamkeit belebten Wassers die Geister scheiden, ist sich die Wissenschaft inzwischen einig und sicher: Allein im Preis hebt sich levitiertes Wasser von gewöhnlichem Leitungswasser ab.

Levitiertes Wasser: Details zum Prinzip der Belebung

Die Erfindung der sogenannten Wasser-Levitation geht auf den im April 2010 verstorbenen deutschen Ingenieur Wilfried Hacheney zurück. Wissenschaftler halten den Dortmunder für einen Wasser-Esoteriker; Käufer des vitalisierten Wassers hingegen verehren ihn als eine Art Guru. Doch wie genau funktioniert das Verfahren der Wasserbelebung? Es erfolgt mithilfe einer speziellen Levitationsmaschine, die Hacheney bereits im Jahre 1987 entwickelte. Sie beherbergt einen Zylinder, der in einem ersten Schritt mit Leitungswasser befüllt wird. Anschließend gilt es, den Schalter des Geräts zu betätigen, um den integrierten elektromotorisch angetriebenen Propeller zum Rotieren zu bringen. In 60 Sekunden ereignen sich etwa 6.000 Umdrehungen. Nur wenige Minuten dauert der geräuschvolle Umrührprozess, bis das Wasser "informiert" und damit fertig ist. Im Rahmen eines Gesprächs mit Spiegel Online erklärte Wilfried Hacheney, bei der Levitation handele es sich um das Gegenprinzip zur Gravitation. Das Wasser werde während des Vorgangs nicht zusammengepresst, sondern stattdessen auseinandergezogen. Weiterhin gab er an, levitiertes Wasser habe bereits zahlreichen Menschen geholfen: etwa deren Cholesterinspiegel und die Harnstoffwerte gesenkt oder das Blutbild verbessert.

Den postulierten Wirkungen fehlen wissenschaftliche Belege

Levitiertem Wasser werden von Fürsprechern unterschiedliche Wirkungsweisen nachgesagt - Belege fehlen jedoch fast vollständig. Die Behauptung, das belebte H2O sei entgiftend, widerlegte die Bundesanstalt für Wassergüte schon sehr früh, nämlich 1993. Zudem postulierten einige Anhänger der Hacheney-Schule, die Vitalisierung von Wasser töte Bakterien ab. Der Biotechnologe Rudolf Hammer entkräftete die Annahme in seiner Diplomarbeit mit den Worten:

"Die Ergebnisse zeigen, (...) dass eine mikrobizide (...) Wirkung nicht gegeben ist."Rudolf Hammer

Sämtliche der vermuteten Effekte von informiertem Wasser, zu denen auch positive gesundheitliche Auswirkungen wie der Rückgang von Verdauungsbeschwerden oder ein verbesserter Stoffwechsel zählen, konnten bis zum heutigen Zeitpunkt nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Dasselbe gilt für immer wieder zu lesende oder zu hörende Aussagen von Personen, die levitiertes Wasser zum Malen oder für ihre Pflanzen verwenden und in diesem Zusammenhang eine stärkere Leuchtkraft der Farben oder ein prächtigeres Gedeihen der Blumen wahrzunehmen glauben.

Physikalische Eigenschaften von Wasser - die Gegner des belebten H2Os

Hersteller legen nahe, dass levitiertes Wasser hinsichtlich der enthaltenen Information verändert sei, da die Verwirbelung des H2Os die Wasserstoffbrückenverbindungen umstrukturiere. Die Wissenschaft allerdings weiß um die fortlaufende Veränderung dieser "Wassercluster": Tatsächlich wechseln Wassermoleküle ihre Nachbarn sekündlich. Aus diesem logischen und daher nachvollziehbaren Grund ist eine bleibende Umstrukturierung vollkommen unmöglich. Dies bestätigen die Untersuchungen des baden-württembergischen Physikers Alfons Geiger und des nordrhein-westfälischen Wasserforschers Ralf Ludwig. Beide fanden keinerlei Beweise für die angeblich veränderte Wasserstruktur levitierten H2Os - im Gegenteil, sie zeigten eine verglichen mit herkömmlichem Leitungswasser gleichbleibende Viskosität.

Zwischen Realität und Glaubenskraft

Wissenschaftlich betrachtet hat levitiertes Wasser keine wundersamen Eigenschaften. Nichtsdestotrotz berichten Konsumenten von außerordentlich positiven Effekten. Fakt ist: Zwischen den verbal dargebrachten Wirksamkeiten und dem rationalen Forschungsstand liegt bis dato - und vermutlich auch in Zukunft - ein schier unüberwindbares Loch.

Carolin

Carolin

Neben einer guten Tasse Kaffee gehört für sie selbstverständlich auch ein Glas Wasser zum perfekten Start in den Arbeitstag. Am liebsten still und gut gekühlt, direkt aus unserem CUBE Comfort.

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